Jüdisches Brauchtum

 

Das Neujahrsfest - Rosch ha-Schana; Der Versöhnungstag - Jom Kippur; Das Tempelweihfest - Chanukka; Das Fest der ungesäuerten Brote - Pessach; Das Wochenfest - Schawuot; Das Laubhüttenfest - Sukkot

BRÄUCHE

Jüdische Feiertage

Das Neujahrsfest - Rosch ha-Schana
Rosch ha-Schana - Das Neujahrsfest erinnert an den Bund zwischen Gott und dem Volk Israel, durch welchen dem Volk besondere Pflichten auferlegt sind. An Rosch ha-Schana sollen die Menschen in sich gehen, sich dem Guten zu- und vom Bösen abwenden. Sind die Pflichten aus dem Bund erfüllt, soll dies Gott gut stellen und ihn veranlassen, den Bund nicht zu vergessen und den Menschen weiter ein glückliches Leben zu gewähren. Das Fest findet am 1. und 2.Tischri statt, im gregorianischen Kalender sind dies der 30.September und 1.Oktober 2008 sowie der 19. und 20.September 2009. (nach oben)

Der Versöhnungstag - Jom Kippur
Neun Tage nach Rosch ha-Schana, am Versöhnungstag, verzeiht Gott den Menschen ihre Missetaten. An diesem ernsten Feiertag bereuen die Gläubigen ihre Sünden und tun Buße für sie. Jom Kippur wird am 10.Tischri gefeiert, für die Jahre 2008 und 2009 fällt dieser Tag auf den 9.Oktober bzw. 28.September. (nach oben)

Das Tempelweihfest - Chanukka
Während des achttätigen Tempelweihfestes wird eines Wunders gedacht: Die Makkabäer, die sich gegen die Syrer auflehnten, fanden im Jahr 165 v.Chr. nur noch ein Ölfass, dessen Inhalt genug war, um den Tempelleuchter einen Tag lang zu füllen. Doch dann reichte das Öl acht Tage lang. Das Symbol dieses Wunders ist der achtarmige Kerzenständer, die Menora. Chanukka beginnt am 25.Kislew und wird nach gregorianischem Kalender vom 22.-29.Dezember 2008 und vom 12.-19.Dezember 2009 gefeiert. (nach oben)
 

Die drei Wallfahrtsfeste
Zur Zeit des Bestehens des Tempels waren alle männlichen Bewohner des Landes an diesen Tagen angehalten, nach Jerusalem zu pilgern und Opfer darzubringen. Die Wallfahrtsfeste haben sowohl eine historische als auch eine religiöse Bedeutung.

Das Fest der ungesäuerten Brote - Pessach
Im 2.Buch Mosis, 12, 27 heißt es, Gott habe, als er alle Erstgeborenen in Ägypten erschlug, die Israeliten verschont, indem er ihre Häuser überging. Daher wird das Fest Pessach, zu deutsch Überschreitung, genannt.Weil die Ägypter wegen der Katastrophe überstürzt ihre Häuser verließen, blieb der Brotteig ungesäuert. Daher wird an Pessach nur Ungesäuertes gegessen. Gleichzeitig wird an diesem Tag die Ernte der Wintergerste gefeiert.
Pessach wird begangen vom 15.-22.Nissan, d.h. dem 9.-16.April 2009 bzw. dem 30.März bis 6.April 2010. (nach oben)

Das Wochenfest - Schawuot
Schawuot ist das "Fest der Erstlinge", für das Brote aus dem ersten Mehl des Jahres geopfert werden. Schawuot ist zudem die Zeit der Verkündung der Zehn Gebote am Berg Sinai. Mit Anerkennung der Gebote durch die Israeliten wurde der Bund zwischen Gott und ihrem Volk geschlossen. Schawuot ist am 6. und 7.Siwan: 29.-30.Mai 2009 und 19.-20.Mai 2010. (nach oben)

Das Laubhüttenfest - Sukkot
Das Laubhüttenfest ist das Erntedankfest der Israeliten. Es erinnert außerdem an die Wüstenwanderung der Juden nach ihrem Auszug aus Ägypten. Während dieser Zeit wohnten sie in nicht befestigten Hütten - und tun dies zum Gedenken auch heute noch. Das Fest dauert 7 bzw. 9 Tage: Der achte Tag ist Schemini Azaret, das Schlussfest, das als eigener Feiertag begangen wird. Der neunte Tag ist das Torafreudenfest (Simchat Tora) und gilt als zweiter Tag des Schlussfestes. Gefeiert wird ab dem 15. Tischri, 2008 vom 14.-20.Oktober, 2009 vom 3.-9.Oktober. (nach oben) 
 
Jüdische Bräuche 

"Als bedeutsame Ereignisse im menschlichen Leben gelten bei Juden wie Nichtjuden Geburt, Erreichen der Mündigkeit, Hochzeit und Tod. So sind im Judentum Beschneidung, Barmizwa bzw. Batmizwa (religiöse Mündigkeit) und Eheschließung mit bestimmten Zeremonien und meist auch Familienfeiern verbunden." (Heinrich Simon, "Leben im Judentum - Persönliche Feste und denkwürdige Tage)

Geburt und Beschneidung
Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat. Dabei ist es unwichtig, ob die Mutter als Jüdin geboren oder später zum Glauben übergetreten ist. Ein Junge wird am achten Tag seines Lebens beschnitten und so in den Bund zwischen Gott und den Juden aufgenommen. Bei der Beschneidung (hebr. brit mila) erhält der Junge seinen jüdischen Namen, mit dem er bei seiner Barmizwa in die religiöse Mündigkeit aufgerufen wird. Während die Gäste das Kind mit dem Segensspruch "Baruch ha-ba!", "Gesegnet sei der, der da kommt!" begrüßen, preist der Vater des Neugeborenen Gott für seine Güte. Weibliche Nachkommen erhalten ihren jüdischen Namen im ersten Sabbatgottesdienst, an dem die junge Mutter nach der Geburt wieder teilnimmt. Weder Jungen noch Mädchen werden nach lebenden Vorfahren benannt, da man diesen Ahnen ja noch nicht gedenken muss. (nach oben)
 
Auslösung des erstgeborenen Sohnes
Nach biblischer Vorschrift sind alle männlichen Erstgeborenen zum Tempeldienst verpflichtet. Heute ist die Erfüllung dieser Pflicht nicht mehr üblich. Um aber das jüdische Recht einzuhalten, wird der Sohn heutzutage feierlich "ausgelöst". Dabei wählt die Familie einen Kohen, einen Angehörigen der Priesterschaft, der den Vater fragt, ob er bereit ist, den symbolischen Auslösungsbetrag von fünf Schekeln zu zahlen. Dies entspricht etwa 96 Gramm Silber. Bejaht der Vater, gilt dies als Einverständnis. Der ausgewählte Geistliche ist meistens arm, da es als ehrenvoll gilt, den Mann (finanziell) zu unterstützen, ohne ihn durch ein Almosen zu demütigen. Meist folgt auf die Zeremonie ein Festessen, an dem auch der Kohen teilnimmt. (nach oben)

Barmizwa bzw. Batmizwa
Mit dem 13. bzw. 12.Lebensjahr erreichen jüdische Jungen und Mädchen ihre religiöse Volljährigkeit. Sie sind dann ein "Sohn der Pflicht", also ein Barmizwa, oder eine "Tochter der Pflicht", eine Batmizwa. Beim Sabbatgottesdienst werden die Kinder zum ersten Mal zur Tora aufgerufen, aus der sie selbst vorlesen müssen. Vor diesem Ereignis werden sie zum Beispiel darin unterrichtet, die Tora zu lesen, wie Gebetsmantel und -riemen angelegt werden und welche Pflichten es innerhalb der jüdischen Gemeinde gibt. Ab diesem Zeitpunkt ist der Vater nicht mehr für die religiösen Pflichten des Sohnes verantwortlich, während das Mädchen ab jetzt als heiratsfähig gilt. Obwohl die religiöse Mündigkeit automatisch eintritt, finden Familie und Freunde des Kindes heutzutage zu einer feierlichen Zeremonie zusammen, die selbst Barmizwa oder Batmizwa genannt wird. In großer Runde feiert die Familie nach dem Gottesdienst zusammen mit dem Rabbiner bei einem Festessen. (nach oben)

Nach Ansicht des Judentums ist der Mensch für das Eheleben bestimmt. Bei Hochzeiten werden andere jüdische Bräuche wie die Einhaltung des Sabbat berücksichtigt - an diesem Tag ist jegliche Arbeit verboten, darunter fällt auch die Unterschrift der Trauzeugen unter den Ehevertrag. Am Tag der Hochzeit fastet das Brautpaar bis zum Mittag, um sowohl die Ernsthaftigkeit der Entscheidung zu demonstrieren als auch trotz ihrer Freude der Zerstörung Jerusalems zu gedenken. Unter dem Trauhimmel, der Chuppa, werden Braut und Bräutigam vermählt und trinken zum Zeichen ihrer Einheit aus einem Weinbecher. Einen Ehering erhält übrigens nur die Braut, ein Geschenk des Mannes an die Frau. Im Ehevertrag, der in aramäischer Sprache verfasst wird, verpflichtet sich der Mann zur Fürsorge für die Frau. Am Ende der Zeremonie zertritt der Bräutigam ein Glas, was die Dämpfung der Freude zum Zeichen der Trauer um Jerusalem symbolisiert. Schließlich überwiegt dann aber die Freude für das Brautpaar - beim anschließenden Hochzeitsmahl essen, trinken und tanzen Eheleute und Gäste oft mehrere Tage lang. (nach oben)

Nach jüdischem Recht können Mann und Frau geschieden werden. Eine Scheidung erfordert jedoch mehrere langwierige Schritte - damit der Mann nicht leichtfertig handelt. Denn nur vom Mann kann eine Scheidung ausgehen. Dafür muss er seiner Ehefrau einen Scheidebrief, den Get, ausstellen, den er erst bei der eigentlichen Verhandlung vor Zeugen verfasst: Tinte, Papier oder Pergament müssen sein Eigentum sein, der Text muss in hebräischer Quadratschrift geschrieben werden, die Buchstaben dürfen nicht verbunden werden, radieren darf er nicht, genau 12 Zeilen muss das Werk umfassen. Die Frau muss bei der Scheidung nicht anwesend sein, nur der Get muss ihr überbracht werden - berührt sie den Brief, erkennt sie die Scheidung an. Da der Mann die Auflösung der Ehe initiieren muss, ist es für diejenige Frau schwierig, deren Mann sich abgesetzt hat: Für diese Aguna, die verlassene Frau, muss in einem langwierigen Verfahren eine individuelle Lösung gefunden werden - religionsgesetzlich ist der Fall bis heute nicht geklärt. (nach oben) 

Nach jüdischem Glauben ist der Mensch von Gott zum Leben erschaffen worden. Daher muss alles getan werden, um menschliches Leben zu erhalten. Diese Leitidee wird weit gefasst: Sie verpflichtet jeden Menschen, Kranke oder Alte medizinisch und seelisch zu versorgen und zu trösten. Sie verbietet den Selbstmord, erlaubt aber den Märtyrertod, der andere Leben retten soll. Obwohl der Fokus des Judentums vor allem auf dem Diesseits liegt, hoffen auch Juden auf eine Art Paradies, in der die Trennung von Leib und Seele, die mit dem Tod eintritt, wieder aufgehoben wird.Tote werden gewaschen und in ein weißes Totengewand gekleidet. Zudem setzt man ihnen eine weiße Kopfbedeckung, die traditionelle jüdische Kippa, auf. Begraben werden Juden in einfachen Särgen, auch die Zeremonie ist für alle gleich. Bis zur Beerdigung und während der einwöchigen Schiwa (Trauerwoche) sind die Trauernden von jeder beruflichen, sozialen und religiösen Pflicht entbunden. Zum einen sollen sie angemessen trauern können, zum anderen die Bestattung vorbereiten. Freunde und Verwandte helfen, indem sie kochen, einkaufen oder trösten. Auf jüdischen Friedhöfen, die auch Ort der Ewigkeit oder Ort des Lebens genannt werden, wird am ersten Jahrestag der Beerdigung der Grabstein aufgestellt. Zur Ehrung des Verstorbenen sind Blumen oder Kerzen unüblich, nur kleine Steine auf den Gräbern erinnern an Besucher. Wegen der erwarteten Wiedervereinigung von Leib und Seele gibt es kaum Feuerbestattungen und auch die Gräber werden niemals eingeebnet. (nach oben)

Quelle für alle Texte: Heinrich Simon "Jüdische Feiertage - Festtage im jüdischen Kalender" und Heinrich Simon "Leben im Judentum - Persönliche Feste und denkwürdige Tage", Verlag: Hentrich & Hentrich, Stiftung Neue Synagoge Berlin Centrum Judaicum

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